03.06.2010

shanghai ist zur zeit von oben bis unten mit expo-werbungen zugepflastert. in jeder strasse ein licensed expo product retailer. an jeder ecke ein stand, der hauptsächlich studenten abwirbt um einen 2 wöchigen freiwilligen expo-dienst zu leisten. jeder zweite beitrag oder sonstige clip an den zahlreichen monitoren überall in der stadt hält einem gecastet fröhliche internationale menschen auf und um die expo vor augen. ‘better city, better alles andere auch…’. gerade wenn man auch noch für diese omnipräsente megalomanie unter vertrag steht, kriegt man schon mal einen koller und dürstet nach alternativen zum sauberen, organisierten, technischen repräsentationsspektakel.

es braucht nicht lange, bis einem auffällt, dass dieser extreme fokus durchaus mit behördlicher nachhilfe geschaffen wird. alles, was nicht irgendwie in verbindung steht und trotzdem für mediales aufsehen und besucher sorgen könnte, wird schon mal präventiv klein gehalten. als beispiel findet heuer das e-arts medienfestival (das mir 2007 den ersten shanghaibesuch verschafft hatte) nicht statt.

nur durch einen relativ nüchtern und kommentarlosen eintrag im (hier nicht so worldwiden) web, ist die idee aufgekommen doch kurz zu den open-house days in der weihei road 696 vorbeizuschauen.
wer ebenfalls auf urbane industrialisierungspatina und büro/atelier gemeinschaften steht, wird meine verzückung verstehen.

in vielen reiseführern (bei diesem wort werde ich jedesmal stutzig) werden werden warehouses erwähnt, die fabriken oder sonstigen industriebauten, die als leerstand von freelancern und künstler einverleibt und zu einer bunten ansammlung an ateliers, gallerien und büros umgestaltet wurden. allerdings ist das promintente touristenbeispiel ein schnieke hergerichtetes exemplar davon in der französischen konzession, das mehr an sell-out und posher gefälligkeit erinnert als an gelassene subkulturiges werken.
das (beinahe schon) gelände der weiheilu 696 ist ebenerdig hauptsächlich durch malerei gallerien vereinzelt photographie und skulpturen bestückt. die zwei bis drei stockwerke darüber teilen sich alle möglichen ateliers, grafikdesigner, medienkünstler, vereine, und ähnliches volk.


die highlights oder einfach etwas ungewöhnlicheren genossen waren eine kleine firma, die special effects masken (aliens, wunden, monster, usw) für filmproduktionen macht, ein kleines ausländisches kollektiv für postproduktion, audioproduktionen, design, also multimedia-alles, ein atelier, das großformatige retro siebdruckposter macht, ein kochworkshop,…

die offensichtlichste einschränkung durch die expo erleben sie durch ein dickes gitter und das dazugehörige verbot heuer ihrer riesigen dachterrasse/dach zu betreten oder sogar etwas party zu machen dort. klar, feuerpolizeiliche fluchtmöglichkeiten und sonstige sicherheiten sind darauf nicht gegeben. das ganze gebäude ist wesentlich baufällig als zum beispiel die saline in hallein. trotzdem…

ganz links das gitter traditionell angelehnt mit bändern mit wünschen daraufgebunden